Siegfried Wagners programmatische Erläuterung
- (Einleitung.) Die Ouvertüre beginnt mit dem Thema des Königthums ›von Gottes Gnaden‹, jener Vorstellung von einer nicht durch Menschenhand errichteten, sondern durch göttlichen Willen eingesetzten Gewalt auf Erden.
- (Allegro.) Was kümmert dieser feierliche Ernst eines höheren Berufes den jungen kecken Herzog Wildfang? Rücksichtslos, voll trotzigen Uebermuths schrickt er selbst vor dem Frevel nicht zurück.
- (Mittelsatz, Fugato.) Der Anfangs noch zaghaft sich äussernden, allmählich immer drohender anwachsenden Missstimmung im bedrückten Volke bemächtigt sich der Intrigant, welcher nun die Missvergnügten für sich gewinnt.
- (Durchführung.) Fürst und Volksbeglücker schreiten zum offenen Kampfe gegeneinander, ungehört bleiben die zur Ruhe rufenden warnenden Elemente. Zum würdelosen Toben steigert sich der Streit, bis demselben das Erklingen des Königthum-Thema’s wie eine Mahnung aus höheren Regionen ein Ziel setzt.
- (Schluss.) Ein Gefühl der Beseligung überkommt das Volk, welches mit Unmuth und Schmerz dem Kampfe zugeschaut hatte. Der Herzog gelangt durch die liebevolle Mahnung seines Volkes zur Erkenntnis seines hohen Berufes, dessen Würde nunmehr heilig zu halten er unter dem Jubel der ihn Umringenden schwört: ›Als Euer Herr dien’ ich Euch fortan‹.
Quelle: Programmzettel zum Konzert der Wiener Philharmoniker am Sonntag, den 26. Januar 1902 im Verein ›Nicolai‹ – Krankenkassa der Mitglieder des k. k. Hof-Opernorchesters – unter der Leitung von Siegfried Wagner resp. Joseph Hellmesberger. (Orthographie des Originals.)