Peter P. Pachl hat auf drei signifikante Verknüpfungen auch der FRIEDENS-HYMNE im Œuvre Siegfried Wagners hingewiesen: Die Oper DER FRIEDENSENGEL, die vier Jahre zuvor komponiert wurde, nimmt in der Szene der Mita zu Beginn des 2. Aktes die überschwängliche Diktion der Friedens-Emphase vorweg. Das Friedens-Thema der Hymne erklingt mehrmals auch am Ende von op. 14, RAINULF UND ADELASIA, das wiederum vier Jahre nach jener vollendet wurde. Und drittens steht die FRIEDENS-HYMNE thematisch auch mit dem Chorwerk DER FAHNENSCHWUR in Zusammenhang, dessen kontradiktorische Ergänzung sie gewissermaßen ist.
Während Mita in DER FRIEDENSENGEL Friede mit Freiheit und Glück assoziiert und freudig in ein neues Leben aufbricht, resigniert die Protagonistin in RAINULF UND ADELASIA, nachdem sie ihren Frieden zwar gefunden, auf ihr Lebensglück aber verzichtet hat. Und seinem lärmenden FAHNENSCHWUR von 1914 schließlich fügt Siegfried Wagner mit der FRIEDENS-HYMNE vier Jahre später einen Appell zur Beendigung des Krieges hinzu.
Friedensthema
Auch wenn Siegfried Wagner diese »Composition« nachträglich mit Bedauern als eine »voreilige« eingestuft hat, weil die Prämisse des Sieg-Friedens hinfällig geworden war und eine Aufführung derselben ihm deshalb als nicht mehr sinnvoll erscheinen mochte, könnte doch vielleicht schon mit der dichotomischen Form der Hymne selbst das »Friedenswerk […] nun neu beginnen« und nicht nur bloß Friede, sondern »Frieden« herbeiführen – einen Dialog-Frieden etwa, der dadurch stabilisiert wird, dass man miteinander spricht, nicht gegeneinander kämpft.
Kann ein Hymnus auf den Frieden überhaupt voreilig sein?
Achim Bahr