Ein besonderes Schmankerl bot ISWG-Präsident Frank Strobel den anwesenden Mitgliedern anlässlich der Jahreshauptversammlung am 1. Februar 2007 in Ludwigshafen: An eine mehrere Tage währende Filmmusikproduktion von Ruggiero Leoncavallos Stummfilmkomposition »Rhapsodia Satanica« – im Auftrag des ZDF – knüpfte der Dirigent am letzten Tag der Aufnahmen die Produktion einer von ihm selbst zusammengestellten sinfonischen Fantasie zu Siegfried Wagners DER SCHMIED VON MARIENBURG, op. 13.
Strobels Zusammenstellung aus der Einleitungsmusik zum ersten Akt, der Überleitung zum zweiten Bild sowie der Überleitung vom ersten zum zweiten Bild des zweiten Aktes, der kurzen Kampfhandlung und Verwandlungsmusik aus dem dritten Akt sowie dem orchestralen Ende der Oper, greift nahtlos ineinander:
Akt 1, Beginn bis 3 Takte vor Ziffer 4 inklusive
attacca Ziffer 28, 6. Takt bis Ziffer 34, 1. Takt inklusive,
attacca 2. Akt, Ziffer 71 bis Ziffer 78,
attacca 3. Akt, Ziffer 101, 7. Takt bis Ziffer 104, 6. Takt inklusive,
attacca Ziffer 107 bis Ende.
Somit führt die Zusammenstellung vom Mummenschanz, bei dem sich Friedelind und ihr Geliebter, der Ordensritter Alfred, verbotener Weise treffen, über Friedelinds Erkenntnis des Einsiedlers als ihres wahren leiblichen Vaters, hin zum Platz vor der Marienburg, wo ihr rechtlicher Vormund die Anklage gegen die Ordensritter erheben wird und springt dann an die berstende Wirkungsstätte der geschickt lavierenden, liberalen Titelfigur zu dessen Tod und postumer Ehrung.
Mit den vordem noch nie eingespielten Passagen aus der 1920 entstandenen Oper wollte Frank Strobel den Mitgliedern der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft exklusiv die Gelegenheit geben, »jenes Orchester aus der Nähe zu erleben, das sich über viele Jahre vorbildlich und unermüdlich um das Werk von Siegfried Wagner bemüht hat.«
Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz erwies sich dabei in der Tat als jener, durch zahlreiche CD-Produktionen von Kompositionen Siegfried Wagners, inklusive der Uraufführung von RAINULF UND ADELASIA (jeweils unter der musikalischen Leitung von Werner Andreas Albert, des Vorgängers von Frank Strobel im Präsidentenamt der ISWG) für Siegfried Wagners Klangkosmos äußerst prädestinierte Klangkörper. Unter der musikalischen Leitung des ausgewiesenen Filmmusikspezialisten Strobel gewann die sinfonische Programmmusik obendrein eine deutliche Verwandtschaft mit großen romantisch-sinfonischen Filmkompositionen, etwa von Erich Wolfgang Korngold. Schließlich zeichnet Siegfried Wagner den Kampf der Ordensritter gegen die aus dem unterirdischen Geheimgang eindringenden Ritter des Eidechsenbundes durchaus mit eben jener Plastizität, die auch heute noch im Genre Film üblich ist und die dem Kampf der Jedi-Ritter durchaus Ehre machen würde.
Die Erstsendung der sinfonischen Fantasie DER SCHMIED VON MARIENBURG wird – so der Dirigent – in DeutschlandRadio Kultur erfolgen.
PPP