Siegfried Wagners programmatische Erläuterung
Die Handlung spielt zur Zeit des letzten Normannenkönigs in Süd-Italien. Rainulf, Graf von Alife, von maßlosem Ehrgeiz getrieben, umstrickt von Aberglauben und Prophezeihungen, hofft durch Erlangung eines heiligen Steines, der sich im Besitze des Klosters befindet und den Eigentümer vor Gefahren schützt, die Erbschaft jenes Fürstenhauses anzutreten. Die schwere Schuld, durch die er in den Besitz des ›Talisman‹ gelangt, weiß er durch Trug auf seinen älteren Bruder Osmund zu wälzen, der ihm im Wege steht und den er auf diese Weise unschädlich macht. Da er die Vorliebe seiner Mutter für ihn (Rainulf) kennt, ferner weiß, daß sie Osmunds Liebe zu einem Volksmädchen verabscheut, erreicht er es, daß sie sterbend den älteren Sohn seiner Schuld bezichtigt. Osmund wird verurteilt. Adelasia, aus normannischem Adelsgeschlecht, liebt Osmund; sie glaubt nicht an seine Schuld, sondern schöpft Verdacht gegen Rainulf. Ihre eigene Ehre Preis gebend, ersinnt sie einen Plan, wie sie mit Hilfe der ›Zauberin‹ Sigilgaita aus Rainulf durch Hypnose ein Bekenntnis entlockt. Rainulf, inzwischen durch die Gunst des Hohenstaufenkaisers Heinrich VI. zum Herzog von Salerno erhoben, stürzt jäh aus seinem Glanz herab, besiegt durch Adelasias Mut, der in dem bis zuletzt trotzig Leugnenden die Stimme des Gewissens erweckt. — —
- Jede Schuld rächt sich.
- Adelasias Liebesresignation. – Bewußtsein ihrer Bestimmung.
- Rainulf – die Stimme des Gewissens will sich regen (als Klage der nicht Ruhe findenden Mutter). Im kecken Uebermut heißt er sie verstummen, verhöhnt die mahnenden Erinnerungen, fühlt sich im Bewußtsein seiner Macht kräftig zu trotzen.
- Doch Adelasia läßt nicht ab. Immer stärker weiß sie das Gewissen in ihm zu wecken, bis er bekennt.
- Ihre Opfertat hat gesiegt.
Quelle: Programmzettel zum außerordentlichen Konzert des Pfalz-Orchesters am 15. März 1925 unter Leitung von Siegfried Wagner. (Orthographie des Originals.)